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Was Lieferplattformen 2026 wirklich kosten – Deutschland im weltweiten Vergleich

Lieferando, Uber Eats und Wolt liegen in Deutschland zwischen 13 und 31 Prozent. In China gilt seit Mai ein gesetzlicher Deckel von 8 Prozent, in New York darf eine Bestellung rechnerisch 43 Prozent kosten. Ein Blick auf die Zahlen – und auf das Muster dahinter.

Kaum ein Kostenblock in der Gastronomie hat sich in den vergangenen fünf Jahren so bewegt wie die Plattformprovision – und kaum einer wird so selten nachgerechnet. Wir haben zusammengetragen, was die großen Anbieter in Deutschland aktuell nehmen, und daneben gelegt, wie es in Europa, den USA und Asien aussieht.

Kurzfassung
  • Deutschland: 13–15 % bei eigener Lieferung, 25–31 % mit Plattformfahrern. Seit April 2025 kommt bei Lieferando eine Servicegebühr hinzu, die der Gast zahlt.
  • Europa: Ähnliches Niveau, dazu wettbewerbsrechtlicher Gegenwind – 329 Mio. € Kartellstrafe gegen Delivery Hero und Glovo.
  • USA: Klar gestaffelte Tarife von 15 bis 30 % – und in New York ein Vergleich, der eine Bestellung rechnerisch auf bis zu 43 % bringen kann.
  • China: Seit 1. Mai 2026 ein behördlicher Deckel von 8 %. Meituan staffelt seither von 3,5 bis 8 %.
  • Das Muster: Wo der Prozentsatz gedeckelt wird, wandern die Kosten in Nebenposten. Der Listenpreis sagt immer weniger über die tatsächliche Belastung.

Deutschland: drei Anbieter, ein Preisniveau

Der deutsche Markt ist konzentriert. Lieferando, Uber Eats und Wolt kommen zusammen auf rund drei Viertel des Marktes – und ihre Provisionsmodelle ähneln sich so stark, dass ein Wechsel selten am Prozentsatz scheitert.

AnbieterEigene LieferungPlattform liefertBesonderheit
Lieferandoca. 13 %ca. 25–30 %seit April 2025 zusätzliche Servicegebühr an den Gast
Uber Eatsca. 13–15 %ca. 30 %Zusatzkosten über Sichtbarkeits­produkte
Woltca. 13–15 %ca. 25–30 %Aktivierungs- und Fixkosten je nach Vertrag

Die viel diskutierte Neuerung des Jahres 2025 war die Servicegebühr bei Lieferando: 2,5 bis 5 % des Bestellwerts, gedeckelt bei 0,99 € pro Bestellung, berechnet an den Gast – nicht an den Betrieb. Wirtschaftlich betrifft sie Restaurants trotzdem, weil sie den Endpreis erhöht und damit auf die Bestellhäufigkeit drückt.

Wichtig für die eigene Kalkulation: Provisionssätze sind Vertragssache. Sie hängen von Umsatz, Region, Laufzeit und gebuchten Zusatzleistungen ab. Die Zahlen oben sind das, was in Marktübersichten regelmäßig genannt wird – kein garantierter Tarif.

3.000 € Provision fallen bei rund 10.000 € monatlichem Lieferumsatz und 30 % Satz an – jeden Monat, unabhängig davon, wie gut der Betrieb wirtschaftet.

Europa: gleiche Spanne, mehr Aufsicht

Über Europa hinweg liegen die Sätze auf vergleichbarem Niveau: Just Eat bewegt sich je nach Markt und Modell zwischen 14 und 30 %, Deliveroo zwischen 15 und 30 %, Glovo zwischen 25 und 35 %. Auffälliger als die Preise ist die Regulierung.

Im Juni 2025 verhängte die Europäische Kommission eine Geldbuße von 329 Millionen Euro gegen Delivery Hero und Glovo wegen Kartellabsprachen im Liefermarkt – unter anderem Absprachen, sich gegenseitig keine Mitarbeitenden abzuwerben, und Aufteilung von Märkten. Es war das erste Kartellverfahren der Kommission zu einer sogenannten No-Poach-Vereinbarung. Im August 2025 genehmigte die Kommission zudem die 4,1 Milliarden Euro schwere Übernahme von Just Eat Takeaway – allerdings mit Auflagen, die eine weitergehende Konsolidierung verhindern sollen.

Für Betriebe heißt das: Die Aufsicht schaut hin, aber sie senkt keine Provisionen. Wettbewerbsrecht adressiert Absprachen und Zusammenschlüsse, nicht die Höhe der Gebühr.

USA: transparente Stufen, intransparente Endsumme

In den Vereinigten Staaten sind die Modelle offener kommuniziert als in Europa. DoorDash bietet drei Stufen an: Basic mit 15 %, Plus mit 25 % und Premier mit 30 %. Uber Eats fährt ein ähnliches Modell mit Lite, Plus und Premium – wobei die Einstiegsstufe im März 2026 von 15 auf rund 20 % angehoben wurde. Grubhub staffelt die Marketingprovision zwischen 15 und 25 % und legt bei eigener Zustellung noch rund 10 % Lieferprovision sowie eine Zahlungsgebühr obendrauf.

Was höhere Stufen kaufen, ist Sichtbarkeit: bessere Platzierung, größerer Lieferradius, Teilnahme an Aktionen. Genau darin liegt der Mechanismus, der die effektiven Kosten auch ohne Preiserhöhung nach oben treibt – wer auf der Einstiegsstufe bleibt, wird seltener gefunden.

New York: was passiert, wenn man deckelt

New York City ist das interessanteste Fallbeispiel weltweit. Die Stadt deckelte im Mai 2020 zunächst befristet, ab August 2021 dauerhaft die Lieferprovision auf 15 %. DoorDash, Uber Eats und Grubhub klagten dagegen. Im Juni 2025 endete der Streit mit einem Vergleich – und der Vergleich zeigt, wohin die Kosten wandern, wenn man nur eine Position begrenzt: 15 % Lieferprovision, 3 % Kartengebühr, 5 % Plattformgebühr und optional 20 % für erweiterte Leistungen.

bis 43 % einer einzelnen Bestellung können in New York nach dem Vergleich von 2025 rechnerisch an die Plattform gehen – trotz eines Deckels, der bei 15 % beginnt.

Asien: der schärfste Eingriff der Welt

In China ist zum 1. Mai 2026 eine Regelung von sechs Behörden in Kraft getreten, die Provisionen gegenüber Restaurants auf 8 % begrenzt. Meituan hat daraufhin eine gestaffelte technische Servicegebühr eingeführt: 3,5 % für Kleinst- und Kleinbetriebe, 8 % für gewöhnliche Restaurants und reine Lieferküchen, 7 % für regionale und 6 % für landesweite Ketten. Die Lieferkosten werden dabei getrennt ausgewiesen und nicht in die Provision eingerechnet.

Zur Einordnung: Zuvor lagen die Sätze von Meituan und Ele.me bei rund 20 bis 22 %, nachdem sie über Jahre von ursprünglich 10 bis 15 % angehoben worden waren. Der Eingriff ist damit der weitreichendste, den es in einem großen Liefermarkt bislang gegeben hat.

In Südostasien sieht es wieder anders aus. GrabFood liegt je nach Markt und Liefermodell etwa zwischen 20 und 35 %, foodpanda zwischen 25 und 35 %; Premium-Stufen können günstiger sein, sind aber an Volumen und Aktionsteilnahme geknüpft. Betriebe mit relevantem Bestellvolumen verhandeln dort regelmäßig einige Prozentpunkte heraus – eine Praxis, die in Deutschland deutlich seltener gelingt.

Das Muster hinter den Zahlen

Legt man die Märkte nebeneinander, zeigen sich drei Bewegungen:

  1. Die Prozentsätze konvergieren. Zwischen den großen Anbietern eines Marktes liegen selten mehr als zwei, drei Punkte. Ein Wechsel der Plattform verschiebt die Kostenstruktur kaum.
  2. Die Musik spielt in den Nebenposten. Sichtbarkeitspakete, Aktionsrabatte, Zahlungs- und Servicegebühren wachsen schneller als die Grundprovision. Der Listenpreis wird als Vergleichsmaßstab immer unbrauchbarer.
  3. Regulierung verschiebt, statt zu senken. New York zeigt es am deutlichsten: Ein Deckel auf eine Position führt zu neuen Positionen daneben. China ist der Gegentest – dort wurde die Gesamtvergütung adressiert, nicht nur ein Bestandteil.
Wer nur den Prozentsatz vergleicht, vergleicht die falsche Zahl. Entscheidend ist, was nach allen Positionen pro Bestellung im Betrieb ankommt.

Was Betriebe damit anfangen können

Plattformen abzuschalten ist für die wenigsten realistisch – sie bringen Reichweite, besonders bei Neukunden. Sinnvoller ist, sie als das zu behandeln, was sie sind: einen bezahlten Akquisekanal mit hohem Preis. Drei praktische Schritte:

  • Nettomarge je Kanal rechnen, nicht Umsatz. Nimm einen typischen Monat und ziehe pro Kanal alles ab: Provision, Zahlungsgebühren, Aktionsrabatte, Verpackung. Häufig liegt der Direktkanal deutlich vorn, obwohl er weniger Umsatz macht.
  • Bestandsgäste umlenken. Wer einmal über ein Portal bestellt hat, kann beim nächsten Mal direkt bestellen – über einen Zettel in der Tüte, einen QR-Code am Tisch oder eine App. Das ist der günstigste Umsatz, den ein Betrieb machen kann.
  • Verträge im Blick behalten. Konditionen ändern sich, teils einseitig mit Ankündigungsfrist. Ein Kalendereintrag zur jährlichen Prüfung kostet nichts.
Selbst nachrechnen

Unser Ersparnis-Rechner zeigt dir mit deinen eigenen Zahlen, was der Unterschied zwischen Provisionsmodell und fester Monatsgebühr in deinem Betrieb ausmacht.

Methodik und Einschränkungen

Alle genannten Sätze sind Marktangaben aus den unten verlinkten Quellen, Stand September 2026. Sie sind keine Vertragsangebote: Plattformen verhandeln individuell, Konditionen unterscheiden sich nach Land, Region, Umsatz, Laufzeit und gebuchten Zusatzleistungen. Zahlungsgebühren der Zahlungsdienstleister sind, soweit nicht ausdrücklich erwähnt, nicht eingerechnet. Wer belastbare Zahlen für den eigenen Betrieb braucht, zieht die letzten drei Monatsabrechnungen heran – dort steht die tatsächliche Belastung.

Quellen

  1. Lieferando-Provision 2026: Was Restaurants wirklich zahlen (gastro-master.de)
  2. Lieferando Kosten Restaurant (gastroinsider.de)
  3. Lieferando, Wolt, Uber Eats: Provisionen im Vergleich (gastrosystem.app)
  4. EU-Kommission: 329 Mio. € Geldbuße gegen Delivery Hero und Glovo
  5. EU genehmigt Just-Eat-Übernahme mit Auflagen (Euronews)
  6. Third-Party Delivery Fees in 2026: DoorDash, Uber Eats & Grubhub (Rezku)
  7. NYC Delivery Fee Cap Settlement (getsauce.com)
  8. NYC beschließt dauerhaften Provisionsdeckel (Restaurant Business)
  9. Meituan senkt Händlergebühren nach Vorgabe (Asia Financial)
  10. Neue Regeln treffen Geschäftsmodell chinesischer Lieferdienste (TechCrunch)
  11. Food Delivery Commission Fees Singapur (klikit.io)

Stand: 1. September 2026 · Redaktion: TSAMBYTES Redaktion · Angaben ohne Gewähr, Konditionen der Plattformen sind individuell verhandelbar.

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